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Sicherheitsforschung in Gerste
Mykorrhiza - eine gelungene Symbiose
In den Freilandversuchen mit gentechnisch veränderter
Gerste mit der Universität Gießen soll herausgefunden werden, ob
die zusätzlichen Gene in zwei transgenen Gerstenlinien nützliche
Mykorrhiza-Pilze schädigen, die mit den Pflanzenwurzeln in
Symbiose leben.
In eine der beiden gentechnisch veränderten Gerstenlinien des
Versuches wurde ein Gen für eine Chitinase aus dem Bodenpilz
Trichoderma harzianum, der seit vielen Jahren im biologischen
Pflanzenschutz verwendet wird, eingebracht. Die Chitinase zersetzt
Hyphenwände von parasitären Pilzen und macht somit die Pflanzen
widerstandsfähiger gegenüber Pilzinfektionen. Die zweite
transgene Linie enthält ein Gen für eine Glukanase aus einem
Bodenbakterium und soll die Verwertbarkeit der Gerste zur
Fütterung von Geflügel verbessern.

(Foto: bioSicherheit)
Mitarbeiter des Projektes bonitieren. Das Netz soll Kontakt mit Vögeln
und sonstigen Kleintieren verhindern.
(Versuchsfeld Gießen, 2006) |
Um nun herauszufinden,
ob die Chitinase und die Glukanase der transgenen Gersten auch
Pilze angreifen, die für die Pflanze von Vorteil sind, wurden
auf dem Versuchsfeld zum Vergleich auch die jeweiligen
konventionellen Ausgangssorten angebaut.
Auf einer Hälfte des Versuchsfeldes wurde dann ein
kommerziell erhältliches Mykorrhizapilz-Präparat in den
Boden eingearbeitet. Sollten die nützlichen Mykorrhiza-Pilze
geschädigt werden, könnte sich das bereits an einem
geringeren Pflanzenwachstum zeigen, weil Mykorrhiza-freie
Pflanzen weniger Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen können. |
Der wechselseitige Nutzen von Pflanze und Pilz
Mykorrhiza-Pilze leben in Symbiose mit
Pflanzenwurzeln, d.h. die beiden Partner, Pflanze und Pilz, bilden
eine Lebensgemeinschaft zu wechselseitigem Nutzen. Der Pilz versorgt
die Pflanze mit Nährstoffen wie Phosphat, die Pflanze bietet dem
Pilz einen geschützten Lebensraum und versorgt ihn darüber hinaus
mit Kohlenhydraten. Wissenschaftler schätzen, dass Mykorrhiza-Pilze
seit nahezu 500 Millionen Jahren existieren und Ökosysteme
stabilisieren. So wird vermutet, dass sie z.B. eine wesentliche
Rolle beim Übergang der Pflanzen vom Meer aufs Land gespielt haben.
Die Pflanze profitiert auf vielfältige Weise von ihrem Partner. Sie
wächst besser, sie ist geschützt vor Krankheiten, sie kann
besondere Bedingungen wie Hitze oder hohe Salzkonzentrationen besser
tolerieren. Man weiß heute, dass Mykorrhiza-Pilze das antioxidative
Potenzial der Pflanze erhöhen, wahrscheinlich eine Erklärung für
die erhöhte Stresstoleranz der Pflanze.
Mykorrhiza-Pilze, die in Symbiose mit Gerste leben,
entwickeln sich endophytisch d.h. innerhalb der Wirtspflanze. Sie
wachsen in den Wurzelzellen und bilden dort Hyphengeflechte, so
genannte Arbuskeln, mit denen sie Nährstoffe aus den Pflanzen
aufnehmen. Arbuskuläre Mykorrhiza-Pilze, wie sie deshalb auch
genannt werden, sind sehr weit verbreitet und kommen in nahezu allen
Ökosystemen der Erde vor. Mehr als achtzig Prozent der Landpflanzen
leben in Symbiose mit solchen Wurzelendophyten.
Was wird untersucht?
Nach der Ernte der freigesetzten Pflanzen werden nun
in einem nächsten Schritt die Wurzeln von transgener und
nicht-transgener Gerste auf Befall mit Mykorrhiza-Pilzen sowie
parasitären Pilzen untersucht. Daran lässt sich zum einen die
Resistenz der Pflanzen gegenüber im Boden ständig vorkommenden
pflanzenschädigenden Pilzen ablesen; zum anderen ergibt sich
gleichzeitig ein klares Bild über den Einfluss der Chitinase und
Glukanase auf Mykorrhiza-Pilze.
Diese Untersuchungen erfolgen zunächst mit Hilfe
des Mikroskops, indem - vereinfacht gesagt - Pilzhyphen und Sporen
in der Pflanzenwurzel ausgezählt werden. Daran schließt sich ein
molekularbiologisches Verfahren an, die quantitative PCR, um ein
genaueres Bild über die Menge der unterschiedlichen Pilze in den
Wurzeln zu bekommen. Ergeben sich durch diese Untersuchungen
Hinweise auf eine Schädigung (oder Förderung) der Mykorrhiza-Pilze
in den transgenen Pflanzen, werden weitere detaillierte
Feinuntersuchungen von Pilzorganen, wie etwa die Struktur der
Arbuskeln, mit Hilfe eines modernen zellbiologischen Verfahrens, der
konfokalen Lasermikroskopie, durchgeführt.
Im geplanten Versuch werden 4000 transgene
Gerstenpflanzen auf 19,2 qm freigesetzt.
(Diese Reportage über das Forschungsprojekt
erschien 2006 auf dem Internetportal http://www.biosicherheit.de.
Der Versuch mit der gentechnisch veränderten Gerste soll 2009 in
Groß Lüsewitz fortgesetzt werden. Eine Entscheidung über die
Genehmigung steht noch aus.)
Weitere Informationen zum Versuch:
Reportage bioSicherheit mit weiteren Fotos und
Informationen http://www.biosicherheit.de/de/getreide/502.doku.html
"Uns interessiert das Bodenleben." Ein
Gespräch mit Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel, Professor für
Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz an der Universität Gießen. http://www.biosicherheit.de/de/getreide/494.doku.html
Datenbank "Biologische
Sicherheitsforschung" (BMBF, Bundesministerium für Forschung
und Technologie):
Transgene pilzresistente Gerste - Auswirkungen auf
pathogene und nützliche Pilze http://www.biosicherheit.de/de/sicherheitsforschung/165.doku.html
Transgene pilzresistente Gerste - Auswirkungen auf
Genexpression und Inhaltsstoffe http://www.biosicherheit.de/de/sicherheitsforschung/168.doku.html
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